Christoph Sonntag
Christoph Sonntag in Aktion

Backstage regieren Ruhe und Konzentration

Was tun Musiker, Komiker und andere Künstler, wenn sie noch nicht auf der Bühne stehen? Daniel Drescher, Redakteur der Schwäbische Zeitung, hat sich auf Spurensuche im Markdorfer Theaterstadel begeben.

In einem Raum, nicht viel größer als ein durchschnittliches Schlafzimmer, sitzt Christoph Sonntag, eine der wenigen Gestalten im Comedy-Geschäft, die nicht nur lustig sind, sondern auch etwas zu sagen haben. Und schon länger dabei sind als alle Pochers und Raabs. Vor ihm steht ein aufgeklappter Laptop, daneben liegt ein Stapel Papiere mit Stichworten wie „Obama“ und „Oettinger“. Ein Spiegel an der Wand, verschiedene Getränkeflaschen auf einem Tablett — alles außer Alkohol. Bevor man in das Kabuff kommt, läuft man durch eine Art Garage, in der sich Getränkekisten und allerlei Krimskrams stapeln, von der Discokugel bis zum Besen.

Christoph Sonntag nippt an seinem Milchkaffee. Lampenfieber hat der Mann nicht mehr. Vor seinem Auftritt schreibt er Mails, verschickt von seinem Handy aus Kurzmitteilungen und schaut noch einmal über seine Stichworte. „Es gibt nichts Ernsteres als Humor“, sagt der Schwabe, der sich sein Publikum durch unzählige Live-Auftritte erarbeitet hat. Etliche davon sind im Markdorfer Theaterstadel über die Bühne gegangen. Von drei Auftritten an drei Tagen hintereinander sind zwei ausverkauft. „Hier mache ich gerne meine Premieren“, sagt Sonntag. Die Menschen am Bodensee seien humorvoller als anderswo. Den Beweis tritt er kurz später an, wenn der Lachpegel im Saal im Sekundentakt ausschlägt. Doch bis dahin sind es noch ein paar Minuten, und Sonntag ist die Ruhe selbst. Obwohl etwas im Theaterstadel anders ist als in anderen Häusern: Die Distanz zum Publikum ist extrem gering. Die ganze Zeit über hört man bereits das Stimmengewirr der Menschen, die gekommen sind, um Sonntag zu erleben. Nur ein Vorhang und der Bühnenaufgang trennen Künstler und Fan, wenige Meter sind es vom Backstageraum auf die Bretter. Das Klappern von Geschirr und Gläsern, das monotone Geräusch von Menschen, die essen und sich unterhalten, schwappt in das Vorzimmer des Auftretenden. Davon lässt sich der 45-jährige Waiblinger nicht aus dem Konzept bringen.

Drinnen warten die Menschen auf Sonntags Auftritt. Die Lichter im Saal gehen aus, das Stimmengewirr verstummt. Der urkomische Schwabe betritt die Bühne. Mit einem lautstarken „Guten Abend“ fegt er den Vorhang zur Seite. Sonntag ist da, wo er sich am wohlsten fühlt. Nach zwei Minuten wird ihm sein Publikum zu Füßen liegen.